Archiv für November 2012

dignity V

Danke an L. für den Hinweis

Auschwitz vergessen machen

Volkstrauertag abschaffen!

Der Volkstrauertag, wie er heute überall begangen wird, ist eine widerliche Veranstaltung; ein Datum, das in Deutschland, wie kein anderes, für die Umdeutung, Verharmlosung, Verdrängung und Verleugnung der deutschen Geschichte steht, wenn die unfassbaren deutschen Verbrechen, also der administrative Mord an Millionen Menschen, ebenso wie die deutsche Täterschaft im unterschiedslosen Gedenken an die „Kriegstoten“ und sogenannte „Opfer von Gewaltherrschaft“ untergeht bzw. dem Vergessen preisgegeben wird. Es ist die Aufgabe materialistischer Gesellschaftskritik die Entlastungsversuche der Deutschen abzuwehren und die Geschichte, vor allem die des Nationalsozialismus, als das offen zu legen, was sie war und ist: eine Barbarei, die von den Deutschen in die Welt gebracht wurde, nur durch militärische Mittel niederzuringen war und die, was die Bedingungen ihrer Existenz angeht, bis heute fortdauert. Es war Walter Benjamin, der 1940 in seinem Vermächtnis, bevor er sich, verfolgt durch die Deutschen, in den Tod flüchtete, schrieb: „In jeder Epoche muß versucht werden, die Überlieferung von neuem dem Konformismus abzugewinnen, der im Begriff steht, sie zu überwältigen.“ Dieser Konformismus der bürgerlichen deutschen Gedenkpolitik besteht heute darin, das Leid und die Vernichtung von Millionen Menschen vergessen zu machen, indem man es zum beliebigen Fixpunkt einer ‚Mahnung für Frieden und Demokratie‘ erklärt und damit nachträglich rechtfertigt. Der antisemitische Wahn der Deutschen, dieses „Produktionsverhältnis des Todes“ (ISF) in einem Land, das seine innere Einheit in der Vernichtung der Juden gefunden hat, wird ausgeblendet und Auschwitz zu einer Stätte des Todes neben vielen anderen. Die deutschen Mörder werden so zu gewöhnlichen Opfern von vermeintlichen „Naturgewalten“, namentlich: Krieg und Diktatur. Statt also Geschichte zu begreifen als Trümmerhaufen, der solange weiterwächst solange die kapitalistische Entmenschlichung weitergeht, verdrängt die bürgerliche Gedenkpolitik das Leid aus dem Zentrum der Geschichte und kann aus dem Mord noch Kapital schlagen.

Aus: Redebeitrag der Antifaschistischen Aktion Arnstadt-Ilmenau auf der Anti-Volkstrauertagsdemo in Friedrichroda

dignity IV


6 Monate und 6 Tage, R.I.P., mein Freund!

cats would defend israel II

Wo dein Platz, Genosse ist!

Zum notorisch guten Gewissen, mit dem die Linkspartei ihren Brotberuf betreibt, zum moralischen Überbau, der ihr Gewerbe als ehrlicher Makler der Ware Arbeitskraft beflügelt, zu ihrem unermüdlichen Geklingel von wegen “gutes Geld für gute Arbeit” gehört unabdingbar, schon der Traditionsbildung halber, eine gewisse Koketterie mit Marx, dem man gerne bekannt sein möchte, wenn auch nicht allzu intim. Denn den Staat an und für sich läßt man sich nicht miesmachen, auch nicht von Marx, wenn der etwa bemerkt: “Wo es politische Parteien gibt, findet jede den Grund eines jeden Übels darin, daß statt ihrer ihr Widerpart sich am Staatsruder befindet. Selbst die radikalen und revolutionären Politiker suchen den Grund des Übels nicht im Wesen des Staats, sondern in einer bestimmten Staatsform, an deren Stelle sie eine andere Staatsform setzen wollen.” Denn wer sich als Sozialdemokrat, der es ernst meint, auf die, wie es seit Karl Kautsky und mit Stalin heißt, “sozialistische Anwendung des Wertgesetzes” von Staats wegen kapriziert hat, läßt sich den Schneid nicht nehmen, wenn man auch selbstkritisch bereit ist, da und dort verbale Konzessionen zu machen. So heißt es dann im Erfurter Programm der Linkspartei: “Ein Sozialismusversuch, der nicht von der großen Mehrheit des Volkes demokratisch gestaltet, sondern von einer Staats- und Parteiführung autoritär gesteuert wird, muß früher oder später scheitern. Ohne Demokratie kein Sozialismus”. So will man den Staatlichkeitswahn Stalins von sich abspalten, um guten Gewissens Etatist bleiben zu können. Das Linksprogramm ist danach: ein schlichtweg unlesbarer Wortsalat, der Gesinnungsrhetorik mit sozialtherapeutischer Reklamesprache auflädt und diese Mixtur wiederum derart mit Erregung, Ethik und Empathie verquirlt, daß man sich gar nichts mehr zu merken braucht, weil man das alles längst kennt, insbesondere deswegen, weil Lafontaine schon je die “Politik für alle” forderte und Sahra Wagenknecht von der “Kommunistischen Plattform” längst zum AgitProp für Ludwig Erhardt und die “soziale Marktwirtschaft” avanciert ist.
Die politische Evidenz, mit der “Die Linke” hausiert, besteht aus nichts als aus der für Verkaufszwecke moralisch aufgehübschten “Alltagsreligion” (Marx) der Ideologie, die zur kapitalen Vergesellschaftung paßt. Und weil sie nicht den Anflug einer Ahnung davon besitzt, daß sie als radikale Fürsprecherin der Ware Arbeitskraft ein unabdingbares und notwendiges Moment deren Affirmation, Reproduktion und Verewigung ist, kann sie auch keinen Begriff von Politik haben, der irgend mit materialistischer Aufklärung zu tun hätte.

In Gänze lesenwert bei ISF.

cats would defend israel

Solidarität mit Israel!

Benjamin Netanjahu, Ministerpräsident Israels, erklärte gegenüber ausländischen Botschaftern bezüglich des aktuellen Konflikts mit der Hamas:

Wenn es Alarm gibt, haben wir alle genau 30 Sekunden, um einen Luftschutzkeller zu finden. In dieser Situation befinden sich eine Million Israelis. Das sind Familien, alte Menschen, Kinder, Babys – einschließlich der Kinder, die hier stehen.

Eine Million Israelis, einschließlich vieler kleiner Kinder wie dieser hier, sind tagtäglich im Visier von Menschen, die Gebiete unter ihre Kontrolle genommen haben, die wir geräumt haben, die die israelische Regierung geräumt hat. Sie sind dorthin gekommen und verstecken sich jetzt hinter Zivilisten, während sie auf Zivilisten schießen, auf unsere Kinder. Eine Million Israelis…

Ich kenne nicht eine Ihrer Regierungen, die so etwas akzeptieren würde. Ich kenne nicht einen Einwohner Ihrer Städte, der so etwas akzeptabel finden würde […]. Ich denke, die ganze Welt versteht, dass dies eine inakzeptable Situation ist. Es ist etwas, dass das Volk Israel nicht akzeptieren kann, und ist etwas, dass ich, als Ministerpräsident von Israel, nicht akzeptieren kann.

Wir werden also für das Recht unseres Volkes kämpfen, sich selbst zu verteidigen. Wir werden tun, was immer nötig ist, um dem ein Ende zu bereiten. Das ist nicht nur unser Recht, es ist auch unsere Pflicht, und es ist etwas, dass, denke ich, nicht nur Sie verstehen, die heute in Ashkelon sind, sondern auch jede unvoreingenommene Person in jeder unvoreingenommenen Regierung weltweit. Sie alle würden verstehen, dass es unser Recht ist, unser Volk zu verteidigen, und dass es das ist, was wir tun.

Quelle: haGalil

Sippels Helfer

Linksnationalistische Demo in Jena

Dem Aufruf zur linksnationalistischen Demo am heutigen Sonntag in Jena folgten, dem MDR zufolge, 300 Menschen, was tatsächlich wenig ist, angesichts des Unterstützerkreises, der von den Jusos bis zu der, traurigerweise wohl inzwischen deutsch-geläuterten, Antifa-Gruppe ATF reichte. Die Veranstalter reflektieren das auch an prominenter Stelle beim MDR:

Die Veranstalter zeigten sich wegen der geringen Beteiligung enttäuscht. „Die breite Bevölkerung ist wohl eher zum verkaufsoffen Sonntag gegangen, als hier mit uns an die Opfer zu erinnern“, sagte einer der Initiatoren.

Mal wieder hat es nicht geklappt, sich mit der Abkehr von gesellschaftskritischen Positionen in eine Volksbewegung einzukaufen. Dabei hatten die wenigen mitmobilisierenden Antifas bewusst oder aus Dummheit auf das Erfolgsrezept der Sozialdemokratie gesetzt, das Wolfgang Pohrt einmal in etwa so beschrieben hat: ‚man verzichtet um des Kompromisses willen auf die Wahrheit und zieht dann doch keinen praktischen Nutzen daraus.‘ Nichtmal die wenigen Stunden im zweifelhaften Ruhm, eine Massendemonstration organisiert zu haben, war den Initiatoren vergönnt. Die Volksgemeinschaft, an deren schlechtes Gewissen man appelliert hatte, blieb daheim oder ging shoppen.

Immerhin gabs zwei lesenswerte Auseinandersetzungen zur Demo, die eine etwas sachlicher, die andere etwas zu dick inquisitorisch, aber beide sind vor allem den Initiatoren und Teilnehmenden zu empfehlen, die bei dieser Geschichte mit Bauchschmerzen dabei waren. Für richtige Einsichten ist es bekanntlich nie zu spät.