Archiv für Februar 2013

Traditionspflege made in Thüringer Wald

Geraberg: Deutsche Traditionspflege in der „Ortsgruppe Geraberg“

In Geraberg im Ilm-Kreis gibt es einen Kreis von Irren, der so eine Mischung aus Wehrsportgruppe und Trachtenverein auf die Beine gestellt hat. Diese Leute sammeln Devotionalien aus dem Dritten Reich und präsentieren sich damit bei allen sich bietenden Gelegenheiten. Solche Geschmacklosigkeit empört sogar einige der Dorfbewohner.

Der genannte Kreis von NS-Nostalgikern nennt sich „Ortsgruppe Geraberg“. Ortsgruppe von was, könnte man naiv fragen. Dass die genauere Bestimmung ausgelassen wird, hat vermutlich rechtliche Gründe. Ortsgruppe der NSDAP, der SS, der Wehrmacht o.ä. darf sich in diesem Land nämlich keiner mehr nennen. Dass die Kameraden der Ortsgruppe gestandene Faschisten sind, darf eh bezweifelt werden. Vermutlich handelt es sich eher um Leute denen die Neue Rechte viel zu modern ist und die irgendwie irgendeiner guten alten Zeit nachtrauern, ohne sich Gedanken um deren geschichtliche Wirklichkeit oder deren wirkliches Nachleben im Hier und Jetzt zu machen. Solche NS-Nostalgiker, Brauchtumspfleger und Trachtenspinner gibt es überall in unterschiedlichsten Ausprägungen.

Die „Ortsgruppe Geraberg“ erlangte allerdings schon mehrfach zweifelhafte Berühmtheit, weil sie ihre merkwürdigen Aktivitäten nicht im Geheimen ausübt, sondern in der Öffentlichkeit. Beispielsweise auf Dorfjubiläen, wie der 600-Jahr-Feier in Singen oder der 725-Jahr-Feier in der Wolfsberggemeinde patrouillierten Mitglieder der Ortsgruppe in Wehrmachtsuniformen in der Parade mit. In den Waldgebieten werden diese Leute beim „Blitzkrieg“-Spielen beobachtet und auch in der Uniform der SS sollen Mitglieder häufiger im Ort gesichtet werden.

Die meisten Eingeborenen verwirrt das nur, weil sie längst verstanden und eingesehen haben, dass die Maxime deutscher Vorherrschaftspläne heute zunächst „Wirtschaftskrieg“ (Konicz) und nicht Vernichtungskrieg heißt, was Wehrmacht und SS noch nicht nötig macht. Deswegen wird die „Ortsgruppe“ vermutlich nur von ihresgleichen bejubelt und von der Restbevölkerung beargwöhnt. Mehrere Dorfbewohner machten ihrer Empörung sogar gegenüber dem Lokalblatt Luft, das jetzt zwischen die narkotisierenden Berichte über Unternehmensjubiläen und 80te Geburtstage einen Bericht über die „Ortsgruppe“ quetschte und die Polizei aufscheuchte.

Diese sieht die Sache allerdings ebenso wie die Staatsanwaltschaft ganz locker, was nicht weiter verwunderlich und kommentierenswert ist, wäre da nicht die verräterische Sprache. So lässt sich die Pressestelle der Polizeidirektion Gotha dahingehend zitieren, dass es sich bei der „Ortsgruppe Geraberg“ lediglich um eine harmlose Gemeinschaft handelt, „die sich mit der Traditionspflege der deutschen Geschichte beschäftigt, […] historische Fahrzeuge restauriert und besitzt sowie Uniformen sammelt und an historischen Treffen im In- und Ausland teilnimmt“. Wer „Traditionspflege“ für ein Argument hält, wenn Leute mit SS-Uniformen durch ein Kaff im Ilm-Kreis patrouillieren, der wird gegen Verfolgung und Mord nichts einzuwenden haben. Beides gehört unbestreitbar zum Markenkern deutscher Tradition. Solche Tradition pflegen unterschiedliche Gruppen der Deutschland-Stolzen eben auf ihre jeweils unterschiedliche Weise: die einen marschieren als lebender Anachronismus mit der SS-Uniform durch ein Kaff im Thüringer Wald, die anderen schieben ab und halten die repressive Ordnung am Laufen. Am Ende wollen ja irgendwie alle dasselbe. Da sind sich die Deutschen immer einig gewesen.

Quelle: Antifa Arnstadt-Ilmenau

Manchmal könnte man glauben, dass es gar kein Vorurteil, sondern die Wahrheit ist, dass die zurückgebliebensten Leute in dieser regredierenden Gesellschaft im Wald wohnen. Früher galten die Provinzen südlich des Rennsteigs als Musterbeispiel für diese These. In Suhl beispielsweise gibt es ja gerüchteweise Haustiere (Hunde) auf den Speisekarten (OK, Eingeborene berichten, sowas gebe es nur noch im OT Goldlauter, aber wer weiß schon genaues). Doch mit dieser Wehrsport-Truppe holen die Dörfler vom Nordrand des Waldes ordentlich auf.

Angriff der Kleinbären

Waschbären werden auch in Thüringen zur Plage

Erfurt/Jena – Der Waschbär breitet sich immer mehr in Thüringen aus. «Wir haben eine starke Zunahme. Er bedroht uns immer noch, relativ massiv sogar», sagt der Präsident des Landesjagdverbands, Steffen Liebig.

Dies gefährde andere Tierarten wie Amphibien, den Uhu oder Kleinsäugetiere. Auf der 10. Fachtagung «Jagd und Artenschutz» diskutieren die Jäger von Freitag an in Jena über Probleme beim Schutz der Tier- und Pflanzenwelt.

Im Jagdjahr 2011/2012 wurden Liebig zufolge rund 6000 Waschbären gefangen oder geschossen. Vor einigen Jahren seien es gerade einmal 500 gewesen. Mit der Büchse sei dem Bären jedenfalls kaum beizukommen. […]

Quelle: Freies Wort

Die Invasion der Waschbären ist also mit der Büchse nicht mehr zu stoppen. Vielleicht wäre es das Vernünftigste Schandflecke menschlicher Abgründigkeit, wie Suhl, Sonneberg oder Hildburghausen einfach abzureißen, um Platz zu machen für Wald, Waschbären und Wildkatzen.


Foto aufgenommen im Tierpark Ilmenau

Bräuche, Pappkameraden und die Zivilgesellschaft

In Kirchheim nicht Neues

Es grenzt inzwischen an Brauchtum, was in Kirchheim zu jedem größeren Nazi-Event im Nazi-Zentrum „Romantischer Fachwerkhof“ passiert. Diesmal fand der NPD-Landesparteitag am vergangenen Samstag statt. Die NPD will mal wieder den Landtag erobern.

Nazis, Polizei und Zivilgesellschaft gehören in Kirchheim inzwischen zum Dorfbild und scheinen dort öfter zu trainieren als der Fußballverein. Längst ist es Brauch und Schauspiel zugleich, was sich ereignet, wenn die NPD im Nazi-Zentrum tagt. Starke Kontrollen an Ortseingängen gehören genauso dazu, wie der Auflauf der Zivilgesellschaft, die sich zwischenzeitlich adäquat durch Pappkameraden ersetzte (http://oxymoron.blogsport.de/2012/10/27/das-zusichselbstkommen-der-zivilgesellschaft-in-kirchheim/) und nun doch wieder alles auf die Straße holt, was Beine oder Ständer hat. Geändert hat sich nichts, außer das Zusammenspiel mit der Polizei, die inzwischen zum Partner der Zivilgesellschaft mutiert ist und bei so viel Kumpanei die Hamburger Gitter durch eine rote Linie auf dem Asphalt ersetzt hat. Der Effekt ist derselbe, egal ob die Ordnungsmacht Gitter aufstellt oder Linien zieht. In Kirchheim ist man sich einig, dass bei allem symbolischem Geschrei Recht und Ordnung einzuhalten sind. Auf Recht und Ordnung wird auch gesetzt, um das Problem mit den Nazis im Ort zu lösen. Kaum ein Redner am offenen Mikrofon, der nicht ein Verbot der NPD gefordert hätte. Und so ist der Anspruch der Zivilgesellschaft in Kirchheim wohl der, solange weiter zu demonstrieren, bis die Partei verboten ist und dann geht die Sache von vorne los. Irgendwas, was man verbieten kann, findet sich ja immer. Und so verdrängt man erfolgreich den Gedanken, dass es mit Naziideologie durch Verbote nicht getan ist, dass sich Rassismus und Antisemitismus nicht verbieten lassen, weil sie Ausdruck einer Gesellschaft sind, die sich mit roten Linien oder Gittern vor der Einsicht in die eigene Menschenfeindlichkeit schützt, die man irrtümlich für ein Privileg der Nazis hält. Der Einsicht also, dass Nazis zwar üble Leute mit einer üblen Ideologie sind, aber in einer bald ebenso üblen Gesellschaft, die abschiebt, ausgrenzt und eine Produktions- und Reproduktionsordnung am Laufen hält, die auf Ausbeutung und Zerstörung beruht. Wer am vergangenen Samstag derartiges durchs offene Mikrofon geäußert hätte, hätte sich noch außerirdischer vorkommen dürfen, als die Nazis auf der anderen Seite der Linie und damit nur wieder einen Satz Wolfgang Pohrts bestätigt: „Man kann auf die Dauer nicht der einzige Vernünftige unter tausend Wahnsinnigen bleiben, sondern man wird dabei auch verrückt, nur ein bisschen anders“.

Suchbild

Quelle und mehr Bilder: Antifa Arnstadt-Ilmenau

Links und jung in der ostdeutschen Provinz

Tanzen, Genitalverstümmelung und sexuelle Gewalt

Am 14. Februar gibt es mitten auf dem Anger 15 Minuten öffentliches Tanzen. Neben Gera ist Erfurt die einzige Stadt in Thüringen, die sich dem weltweiten Aufruf „Tanzen gegen Gewalt an Frauen“ anschließt. TA-Mitarbeiterin Esther Goldberg sprach mit Birgit Adamek.

[…]

Was bereiten Sie für diesen Tag vor?

Es wird ein Informationsblatt geben, die Projektgruppe „Häusliche Gewalt“ unterstützt diesen Aufruf. Wir hoffen, dass viele der Einladung zum Tanz folgen. Denn wir wollen für 15 Minuten Aufmerksamkeit gegenüber Genitalverstümmelungen, gegen sexuelle und strukturelle Gewalt und gegen alltägliche Anmache. Dafür werden wir auf einer großen Leinwand Videos zeigen.

Wer gehört dieser Projektgruppe in Erfurt an?

Dazu zählen unter anderen Polizei, Jugendamt, Landesärztekammer, Frauenschutzorganisationen, Mädchenzentrum und natürlich die Gleichstellungsstelle.

Wie läuft der Tag ab?

In Deutschland wird in 45 Städten getanzt. Erfurt und Gera sind die einzigen Thüringer Städte. Auf dem Erfurter Anger leiht uns das „Bündnis für Gerechtigkeit“ seine Technik, ab 17.30 Uhr gibt es auf einer Großleinwand Videos über weltweite Formen der Gewalt und über das Tanzen.

Quelle: TA

Tanzen, Genitalverstümmelung und sexuelle Gewalt. Wie passt das zusammen? Indem man keinen Plan davon hat, welche Ursachen sexuelle Gewalt hat und insgeheim schon ahnt, dass die Lösung des Problems revolutionäre Verhältnisse nötig macht. Da das hier eigentlich keiner will, tanzt man beispielsweise in Erfurt gegen jeden Zweifel zu den Bildern von Genitalverstümmelungen, sexueller Gewalt und alltäglichen Anmachen. Mit dabei auch die Schürzenjäger von der Polizei, selbstverständlich hochsensibilisiert für den Kampf gegen alltägliche Anmachen. Derartig konsequenzlose Symbolpolitik zieht natürlich auch die sozialdemokratische Linke und ihre kurzlebig-marxistisch-pessimistischen Nachwuchsorganisationen an. Schließlich muss man ja immer irgendwas machen, kleine Schritte oder so nen Scheiß, damit man nicht in die Verlegenheit kommt einen klaren Gedanken zu fassen und sich über die Ohnmacht klarer zu werden, mit der man hier geschlagen ist, wenn die Täter für ihre Opfer tanzen.

Es gibt aus der Verstricktheit keinen Ausweg. Das einzige, was sich verantworten läßt, ist, den ideologischen Mißbrauch der eigenen Existenz sich zu versagen und im übrigen privat so bescheiden, unscheinbar und unprätentiös sich zu benehmen, wie es längst nicht mehr die gute Erziehung, wohl aber die Scham darüber gebietet, daß einem in der Hölle noch die Luft zum Atmen bleibt.

Adorno

Dresden 1945: Alles Gute kam von oben

Denn in der Tat hat Deutschland den Pazifismus diskreditiert und ad absurdum geführt, indem es praktisch vorgeführt und damit empirisch bewiesen hat, daß es Schlimmeres geben kann als den Krieg; daß Schrecken möglich sind, von denen nur eine starke Armee befreit. Deutschland selbst unter den Nazis war dieser Schrecken, gegen den es kein Mittel als Bomberflotten und Panzerverbände gab. Die Armee als wirklichen Befreier und den Krieg als wahren Sachverwalter und Vollstrecker der Menschlichkeit in die Weltgeschichte eingeführt zu haben ist das verhängnisvolle Verdienst dieses Landes.

[…]

Darum zittern sie, darum werden sie all ihrer Erfolge nicht froh, darum ist die materiell bestgesicherte Bevölkerung gleichzeitig die ängstlichste, die trübseligste und verdrossenste Europas: weil jeder verbissene Versuch die Vergangenheit abzuschütteln, nur stets auf direkten Weg zu ihr hinführt; weil jeder Erfolg beim Wiederaufbau, bei der Wiedergewinnung ökonomischer Macht und internationaler Anerkennung und bei der Wiedergewinnung der nationalen Souveränität immer nur beweist: es gibt keine Menschlichkeit, es gibt keine Gerechtigkeit, nichts hat sich geändert, es ist immer noch so wie damals, Massenmord wird bei Bedarf mißbilligend geduldet und dann schnell verziehen, nur die Rollen sind anders verteilt.

Aus: Wolfgang Pohrt: Der Krieg als wirklicher Befreier und wahrer Sachwalter der Menschlichkeit. In: Ders: Kreisverkehr, Wendepunkt. Über die Wechseljahre der Nation und die Linke im Widerstreit der Gefühle. Tiamat-Verlag, Berlin, 1984, S. 52ff.

Arnstadt 2005

„Wenn ich höre, wie du redest, wird mir schlecht. Wenn ich seh‘, wie du dich umsiehst, wird mir schlecht.“

Wahr ist was wahr ist

Spiegel hetzt gegen Katzen

Als gäbe es nicht genug dümmliche Jäger, die streunende Katzen abschießen und sich mit Singvögeln zu rechtfertigen wissen. „Mörderisches Raubtier“, „Killer mit Kulleraugen“, „durchs Gebüsch marodierender Attentäter“, assimiliertes Wesen mit dunkler Begierde – so legt man bei Spiegel doch sonst nur los, wenn es gegen Bänker oder andere personifizierte Gesamtjuden geht.

Alternde Theoretiker

Besuch bei Baader: Sartre wollte RAF vom Morden abbringen

Vernichtende Kritik erntete der Philosoph Jean-Paul Sartre für seinen Besuch bei RAF-Häftling Andreas Baader 1974. Doch ein bislang geheimes Protokoll zeigt nach SPIEGEL-Informationen: Sartre sah die „Rote Armee Fraktion“ viel kritischer als damals wahrgenommen.

Das bislang geheim gehaltene Protokoll des Gesprächs zwischen dem französischen Starphilosophen Jean-Paul Sartre und dem deutschen Terroristen Andreas Baader im Gefängnis Stuttgart-Stammheim ist nun freigegeben worden. Wie aus dem Protokoll des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württemberg hervorgeht, wollte Sartre den inhaftierten Anführer der „Roten Armee Fraktion“ (RAF) vom Morden abbringen.

Die RAF habe „Aktionen unternommen, mit denen das Volk nicht einverstanden war“, sagte Sartre demnach bei dem Treffen am 4. Dezember 1974. Solche Aktionen seien für Deutschland nicht zu rechtfertigen. Der Ton des Gesprächs scheint laut Protokoll angespannt gewesen zu sein: Mehrfach habe Baader den Dramatiker mit dem Wort „Fragen?“ angeherrscht, wohl weil der ihm zu wenig Interesse zeigte.

Der Terrorist habe ein maschinengeschriebenes Konzept verlesen, „bei Rückfragen von Sartre verlas er den gleichen Satz wiederum. Als er Satzteile erläutern sollte, hatte er sichtlich Schwierigkeiten“, schrieb der LKA-Beamte, der bei dem Gespräch dabei war.

Für seinen Besuch bei Baader war Sartre heftig kritisiert worden. Nach dem Gespräch hatte der Philosoph in einer Pressekonferenz behauptet, der RAF-Anführer sei Isolationsfolter ausgesetzt – obwohl er dessen Zelle gar nicht gesehen hatte. Manche glauben, dass der Philosoph, damals bereits halbblind, den schlichten Besucherraum für Baaders Zelle gehalten habe.

Quelle: Spiegel Online

Mit dem schlechtesten aller denkbaren Argumente wollte Sartre also den Psychopathen Baader vom Töten abbringen. Hat man ja oft, dass große Theoretiker im Alter wunderlich werden. Vielleicht ist es aus dem Gesichtspunkt ganz gut, dass die Studentenbewegung Adorno frühzeitig in den Tod getrieben hat. Da ist uns vielleicht so manches erspart geblieben.