Zum Stand verdinglichten Bewusstseins

Im Grunde sind sich alle Beteiligten einig: Die „deutsche Wertarbeit“ von Bosch Solar in Arnstadt muss erhalten bleiben, die Schließung abgewendet werden. Man möchte sich nicht durch „chinesisches Dumping“ (Machnig) oder unverantwortliche Entscheidungen der Konzernleitung den Standort kaputt machen lassen. Schließlich stehen nicht nur die 1800 Arbeitsplätze von Bosch auf dem Spiel, sondern auch die hunderter Zulieferer. Die Frage, warum die chinesische Wirtschaft Solaranlagen billiger produzieren kann oder warum in Zeiten der kapitalistischen Krise Arbeitsplätze zur Debatte stehen und vor allem was man einem System attestieren muss, dass mit dem Reichtum die Armut produziert, stellte sich niemand. Bei all den Lobliedern auf die deutsche Wertarbeit war für arbeits- und kapitalismuskritische Interventionen kein Platz bzw. bestand daran auch kein Interesse. Man hatte das Gefühl die Beteiligten wollen einfach ihre Arbeitsplatzgarantien und sonst mit den Problemen der Welt in Ruhe gelassen werden. Die eingeforderte Solidarität, die in ihren radikalsten Verlautbarungen an den deutschen Grenzen endete, war am Ende nichts als eine Farce. Vergessen sind die Erkenntnisse, dass Lohnarbeit nicht Selbstverwirklichung, sondern Entfremdung und Ausbeutung bedeutet; vergessen ist die Erkenntnis, dass die Arbeiter_innen international ihre Klassenzugehörigkeit als Ausgebeutete verbindet. Damit steht man in der ohnmächtigen wie paradoxen Situation, dass hier Arbeiter_innen für die Fortsetzung ihres Ausbeutungsverhältnisses demonstrieren, weil ihnen freilich kaum etwas anderes übrig bleibt, um ihr eigenes Auskommen und das ihrer Familien zu sichern. Dass dieser Kampf trotzdem wenigstens in dem Bewusstsein über den zerstörenden Charakter von Lohnarbeit und die strukturelle Bedingtheit der kapitalistischen Krisenerscheinungen geführt wird, ist eine Wunschvorstellung, die mit jeder Äußerung der Beteiligten bitter enttäuscht wurde.

Quelle: Bericht der Antifa Arnstadt-Ilmenau zur Demonstration der Bosch-Solar-Mitarbeiter