Archiv für Oktober 2013

Katzen wollen die Freiheit!

Zoopark Erfurt Gepard bricht aus Gehege aus

Im Erfurter Zoo ist am Dienstag ein Gepard aus seinem Gehege ausgebrochen. Zoodirektor Thomas Kölpin sagte MDR THÜRINGEN, das Gepardenmännchen Galib sei aus dem Stand über eine drei Meter hohe, zusätzlich durch Strom gesicherte Mauer gesprungen. Anlass seien zwei Esel gewesen, die oberhalb des Gepardengeheges vorbei geführt worden seien. Offenbar wurde dadurch der Jagdinstinkt des Tieres geweckt. Die Zootierärztin habe den Geparden jedoch verfolgt und ihn mit einem Narkosepfeil betäuben können.
Der Gepard Ghalib läuft über eine Wiese im Thüringer Zoopark Erfurt

Kölpin sagte weiter, für die Besucher des Zoos sei keine Gefahr von der Raubkatze ausgegangen. „Geparden fallen Menschen normalerweise nicht an.“ Dass Galib so hoch gesprungen sei, sei ungewöhnlich. „Geparden sind keine Spring- sondern Lauftiere“, so Kölpin. Springen und Klettern könnten sie „nicht so gut“.

Der Zoochef verwies darauf, dass die Sicherheitsvorschriften für die Haltung des Geparden eingehalten worden seien. Für diese Tierart seien Mauern oder Umzäunungen von 2,50 Metern Höhe vorgeschrieben. Der Gepard werde vorerst nicht mehr ins Freigehege gelassen, bis die genauen Umstände der Flucht geklärt sind.

Quelle: MDR

Hausbesetzung in Ilmenau

Noch etwas aus der Kategorie „Aktionen zum Nachmachen“ bekam man am Samstag in Ilmenau geboten. Bemerkenswert war die Handhabe der Polizei, die acht Stunden lang nichts weiter tat, als „maximales Gelingen“ zu wünschen, um dann am Ende doch den Polizeistaat in Anschlag zu bringen und die Besetzer so lange zu bedrohen, bis jedem klar war, dass eine Nichtauflösung der Besetzung zu körperlicher Gewalt geführt hätte. Das ganze mit der Baufälligkeit und dem Schutz der Besetzer zu begründen ist eine Lüge, die nicht mal die Polizei so wirklich glauben konnte, obwohl doch die Deutschen, wie Adorno wusste, keine Lüge aussprechen können, ohne sie selbst zu glauben. In Erfurt geht man da offener und direkter zu Werke. Die kapitalistische Eigentumsordnung ist schließlich nicht verhandelbar. Ich weiß nicht recht, was besser ist. In Ilmenau hat es jedenfalls mehr Spaß und Hoffnung gemacht. Mal sehen, was die angekündigten Verhandlungen bringen.

Homepage des inzwischen geräumten Projekts: http://long17.blogsport.eu/

Aktionen zum Nachmachen

Nach Abschiebung von Roma-Mädchen: Tausende Pariser Schüler blockieren Schulen

Alle für eine: Tausende Gymnasiasten protestieren in Paris gegen die Abschiebung einer 15-jährigen Kosovarin. An 20 Schulen blockierten die Jugendlichen die Eingänge und zogen mit Spruchbändern zum Innenministerium. Das Mädchen war während eines Schulausflugs von der Polizei abgeholt worden.

Aus Mülltonnen bauten sie Blockaden, auf Plakate schrieben sie ihre Forderungen, zum Protest reckten sie die Fäuste in die Luft: Tausende Pariser Gymnasiasten demonstrierten am Donnerstag in Paris gegen die Abschiebung einer 15-jährigen Kosovarin. An rund 20 Gymnasien der französischen Hauptstadt blockierten Schüler die Eingänge, wie die Schulbehörde mitteilte.

Die Jugendlichen zogen zu einer Demonstration an der Place de la Nation und von dort aus weiter zum Innenministerium. Es kam zu vereinzelten Zwischenfällen, die Polizei setzte dabei Tränengas ein. Die Demonstranten riefen unter anderem „Valls raus!“. Auslöser der Proteste war die Abschiebung der 15-jährigen Leonarda Dibrani; Frankreichs Innenminister Manuel Valls werfen die Demonstranten vor, unmenschlich entschieden zu haben.

[…]

Quelle: Spiegel Online

Deutsche Schüler hätten vermutlich den Abschiebebullen noch die Türen aufgehalten. In Kaltland reagiert man bekanntlich mit stoischer Ignoranz, wenn die Nachbarn und Bekannten verschwinden.

Wolfgang Pohrt über die sogenannte Wendezeit 1989/90

Als wüßten alle, daß die spektakulären Umwälzungen eine ziemlich scheußliche Welt perpetuieren, kam über das Erreichte nirgends Jubel auf. Der abermalige Sieg dessen, was immer war, hieß nur, daß die Menschheit auf keine Entwicklung mehr hoffen durfte, die sich wesentlich von der bisherigen Geschichte unterscheiden würde. Es war ein resignativer Triumph, ein Triumph der Trostlosigkeit, der zwei Jahre lang teils mit zusammengebissenen Zähnen, teils mit kindischer Zerstörungslust gefeiert wurde, denn kein neues Zeitalter brach an, sondern die nächste Runde im ewigen alten Spiel, wer wen hauen, und wer das Mehrprodukt aufessen darf. Auch deshalb war die Vorstellung, die Menschen als vernunftbegabte Wesen nähmen ihr Geschick in die eigenen Hände, noch nie so tot wie in der Zeit, wo angeblich vom Verlangen nach Demokratie beseelte Massen dauernd Geschichte machten.

[…]

Nur vordergründig war das Märchen, der Volkszorn und die nach Freiheit dürstenden Massen mit den Schriftstellern an der Spitze hätten die Machthaber im Osten hinweggefegt, die übliche antikommunistische Propagandalüge. Dahinter verbarg sich der Wunsch, ein Subjekt, einen Verursacher in all die Vorgänge hineinzuinterpretieren, die unerklärlich und beunruhigend blieben, weil sie ohne das Zutun von Menschen geschahen, die von einer Idee begeistert und von einem festen Willen durchdrungen waren.

[…]

Es war einmal, daß die – richtige oder falsche – Idee die Massen ergreifen und begeistern mußte, um selber zur materiellen Gewalt zu werden wie 1789 oder 1917. Im Atomzeitalter, hieß die Botschaft, kommt die Geschichte ohne Ideen und ohne Massen aus – noch nie waren die Menschen so überflüssig. Kein Wunder daher, daß manche zum Islam, der Religion des Fatalismus, konvertierten, und viele etwas trübsinnig wurden.

Aus: Wolfgang Pohrt: Das Jahr danach, Ein Bericht über die Vorkriegszeit. Berlin, 1992, S. 11ff.

Warum Kommunisten Katzen lieben und keine Hunde

Die Frage, warum Kommunisten und Anarchisten Katzen einfach lieben müssen, beantwortet forsythia nairobi im Conne Island Textheftchen auf beeindruckende Weise. Lest selbst, die Wahrheit in 3.000 Zeichen!

Über den Zusammenhang von Anarchismus, Totalitarismus und Haustieren

Wer Katzen liebt, verachtet Hunde. Wer Hunde mag, dem sind Katzen zuwider. Das ist die Dialektik der Haustierhaltung. Ein Naturgesetz. Nur die Gründe für diese Erbfeindschaft sind unbekannt. Warum können zwei tierliebe Menschen nicht miteinander auskommen? Und wieso hassen sich gleichsam deren vierbeinige Zöglinge? Die Antwort ist so simpel wie provokant: Die Katze ist ein mustergültiger Anarchist, der Hund das Idealbild des Totalitarismus. In Gestalt zweier kuschelweicher Tierchen prallen gesellschaftliche Konzepte aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Katzen lehnen jegliche Form von Herrschaft ab. Befehle einer Katze, sich auf deinen Schoß zu legen und du kannst dir sicher sein: Sie wird es nicht tun. Stattdessen strolcht sie selbstgefällig um deine Beine, legt sich hierhin und dahin und hält dich in deiner Machtgier zum Narren. Sanktionen bewirken rein gar nichts. Ein Klaps auf den Hinterkopf oder ein Fußtritt machen sie nur noch störrischer. Auch mit Belohnungen lässt sie sich nicht ködern. Da helfen weder Sahne noch „Schappi“. Die Katze ist ein typischer Vertreter des individualistischen Anarchismus. Zwar trifft sie sich auf Hinterhöfen und Straßen gern mit ihren Gesinnungsgenossen, doch Selbstbestimmung und persönliche Freiheit gehen ihr über alles. Nur sie entscheidet, wo sie tote Mäuse ablegt – ob in deinem Schuh oder auf dem Wohnzimmerteppich. Die Katze braucht keinen Gesetzgeber, sie braucht keinen Staat. Sie kommt alleine klar. Fühlt sie sich unterdrückt, setzt sie sich zur Wehr. Ihre Aktionsformen reichen vom zivilen Ungehorsam bis zum terroristischen Anschlag: Sie versagt dir ihre Zuneigung, setzt ihr Häufchen neben das Katzenklo oder kratzt und beißt. Für die Katze gilt: „Die wahre anarchistische Gewalt hört auf, wo die Notwendigkeit der Verteidigung und der Befreiung aufhört.“(1)

No Dogs!Ganz anders der Hund: Er will einen totalitären Führer. Ohne klare Kommandos tritt er dümmlich auf der Stelle, hechelt und wedelt mit dem Schwanz. Er wartet förmlich auf Anweisungen. Dabei ist es vollkommen egal, was du ihm befiehlst: Sitz, Platz, Fass – er gehorcht. Würdest du ihm sagen: Streck deine rechte Vorderpfote aus – er würde es tun. Der Hund lässt sich nach deiner Ideologie formen. Er hinterfragt nicht, er kritisiert nicht, er holt Stöckchen. Feindbilder findet der Hund ganz wunderbar – vor allem, wenn sie in Gestalt eines Postboten daherkommen. Und er lässt sich leicht gefügig machen: Allein die Androhung einer Strafe reicht – schon winselt er und schleckt dir unterwürfig die Hand. Ja, der Hund lässt sich sogar in staatlichen Datensystemen erfassen, um noch besser kontrolliert werden zu können. Nur ein Scheibchen Wurst hätte er gern dafür. Der Hund ist der Mitläufer im Dritten Tierreich.

Ich bin ja eher so der Katzentyp.

(1) Errico Malatesta: Anarchie und Gewalt. 1924.

Quelle: CEE IEH # 207

Noch Fragen?

Danke an D. für den Hinweis!

Verstörendes aus der Südthüringer Provinz

Ist doch ziemlich scheiße, dass gerade in Gegenden, in denen sich eh jeder nur um die eigene Sippschaft oder bestenfalls die Scholle aka Dorfgemeinschaft sorgt, in denen also die „Blutsurenge“ (Marx) erdrückend ist; dass also in solchen Gegenden die Leute mit einem restgesellschaftspolitischen Anspruch die Furchtbarsten sind. Vielleicht liegt die Tragödie auch einfach darin, dass es Opa noch gelang, sich fortzupflanzen, bevor ihm in Stalingrad ein winziges Stück Gerechtigkeit widerfuhr.

„Hallo Deutschland, du Sau, immernoch am Leben und ich immernoch dagegen […] und du machst einfach weiter, und darum mach ich weiter, bis du irgendwann kaputt gehst“

gefunden bei totestier

Pflichttermine

Antifa-Ratschlag 2013

Volkstrauertag abschaffen!

Kühe, Schweine, Pohlitz

Es ist unser Spielplatz, unser Konsum. Das ist das, was Pohlitz ausgemacht hat.

Im Greizer Ortsteil Pohlitz (mit Konsum und Spielplatz sowas wie ein Weltkulturerbe) läuft der übelste Abhub des ostdeutschen Volksmobs wieder zu Höchstform auf. Schließlich ist es auch 5 vor 12 in Sachen Untergang des Abendlandes, wie der Bericht von „Ma Ry“, einer „besorgten Mutter“ von unverschämter Dummheit, beweist. Facebook sei dank, ist der ganzen Welt ihr Sachverstand nicht verborgen geblieben.

War die Woche auf dem Spielplatz in der Nähe wo ich da ankam waren nur ausländische Kinder da oben im Alter von 3 bis 14 würde ich sagen die 14 jährigen haben geraucht saßen auf der Bank und haben nur rum geschrien… Die kleinen haben mit stöcken um sich geschmissen große stöcke… Wo mein Sohn das eine klettergerüst hoch wollte kam einer hat sich einfach vor meinem Sohn da ran geschmissen ist hoch geklettert und hat gar nicht geschaut ob er mein Sohn mit seinen Füßen vielleicht ins Gesicht trifft… Hallo… Gehts noch … Die kennen kein benehmen …ganz ehrlich ich hatte Angst um mich und mein Kind weil die auch so rum geschrien haben und ein auf cool gemacht haben ! Da ist es mir scheiß egal ob die sich hier was aufbauen wollen oder nicht…ich habe noch nie Angst haben müssen auf einen Spielplatz zu gehen bzw. Sein bis zu dem Tag.. im übrigen Fragt uns einer von denen wenn’s uns schlecht geht… Hey komm ich helfe Dir … Ähmm warte Nee ich glaube nicht … Wir müssen uns selber helfen… Die bekommen die Hilfe… von wem richtig von uns…. Abfahrt ! ! !

Die Selbstgespräche führende Dame hat sicher nichts gegen Ausländer, aber da hat sich doch tatsächlich so ein Bengel vor ihrem Kevin ans Klettergerüst gedrängelt. Und dann waren die Kinder auch noch laut und hatten nicht einfach nur Stöcke dabei, sondern große Stöcke! Leider reichen große Stöcke einfach nicht aus, um die Dummheit vom Kaliber einer „Ma Ry“ aus der Welt zu schaffen.

Ordnungsruf aus dem Altersheim

Lirabelle #1Ausgabe #2 der Erfurter Streitschrift Lirabelle ist nun erschienen. Darin befindet sich auch wieder ein Beitrag von mir, mit dem ich in die derzeit stattfindende Theorie-Praxis-Debatte eingreife. Diese Debatte wird außerdem durch einen Beitrag der Antifa Arnstadt-Ilmenau und von Simon Rubaschow bereichert. Weiterhin gibt es im neuen Heft einen einführenden Beitrag zur Kritik der Politik und des Staates. Denkwürdig in eher negativer Hinsicht ist der um ein Nichts kreisende Texte zu radikaler Realpolitik, der die zukünftige Repression staatskapitalistischer Experimente gegen die antiautoritäre Linke schonmal ohne Not vorwegnimmt sowie ein dumpf-ignoranter Beitrag von Erfurts ambitioniertester Staatsantifa AKE. Dazu vielleicht später mehr.

Ordnungsruf aus dem Altersheim

Ox Y. Moron weist Peter Gisperts Versuch, die Theorie im wattierten Verkehr abzuschaffen, zurück.

In der vergangenen ersten Ausgabe dieser Zeitschrift gab sich Peter Gispert als einer von drei Desperados die Ehre, gegen zwei Texte bzw. die Ansätze von Eva Felidae und der Antifa Arnstadt-Ilmenau zum Verhältnis von Theorie und Praxis zu opponieren. Kurz gesagt, argumentierten Felidae und die Antifa Arnstadt-Ilmenau für eine theoretisch reflektierte Praxis, die in einer total vergesellschafteten Gesellschaft den Verblendungszusammenhang, der sich vor die wirklichen Verhältnisse geschoben hat, durch kategoriale Kritik durchdringt, um diese Gesellschaft zunächst überhaupt als im Wesen veränderbar begreifbar zu machen. Wer etwas abschaffen, aufheben oder verändern will, tut nämlich gut daran, zunächst zu verstehen, womit er es zu tun hat. Angesichts verhärteter und unbewusster Verhältnisse genügt dafür nicht die gut gemeinte Information, sondern es bedarf der die unbewussten Vergesellschaftungsformen durchdringenden Reflexion, es bedarf der Brüche im gesellschaftlich-hergestellten Selbstverhältnis der Einzelnen, der Einsicht, dass die Gewalt, die von den Verhältnissen ausgeht, eine gesellschaftlich-notwendige Gewalt ist. (mehr…)