„Hier ist alles verballert, nichts ist normal, alle sind krank und man könnte fast meinen, sie finden Gefallen daran“

Ein Album vernünftig zu rezensieren ist eine schwierige Sache und richtig schwierig ist das, wenn der Künstler sich nach Fertigstellung des Albums und vor dessen Veröffentlichung das Leben genommen hat; wenn dieses Album bedrückend offen und persönlich ist – sich dann nicht in dämlicher Psychologisierung zu ergehen, die Gründe im Einzelnen sucht, statt in der Gesellschaft, die die Einzelnen niedermacht. Der in der Lirabelle publizierenden Genossin ist das beeindruckend gut gelungen.

„Der Ekelhafte“ ist das letzte Album von NMZS. Man kann sich ihm hingeben und präzise, ausweichende, „verrückte“ Gedanken eines jungen Mannes aus Düsseldorf entdecken. Er war ein ganz „normaler“ Jugendlicher: Actionfiguren, Supernintendo, Comics, 2 Jahre Klassensprecher, eine 4 in Sport, von Tagtraum zu Tagtraum. Und nun? „Ja, du kannst dich an den Teufel und das Böse gewöhnen / Aber der Löwe bleibt König in der Höhle des Löwen – so isses / Und wenn er Hunger kriegt – Was dann? – dann frisst er dich / Ober-, Unter-, Mittelschicht, scheißegal, vergiss das nicht.“ [5] Jakob, so sein bürgerlicher Name, hat es nicht vergessen – wie auch? Sich einfügen, das Leiden aushalten, immer weiter kämpfen, irgendwann schwindende Kräfte, letztlich sich hingeben müssen und selbst entschlossen Schluss machen. „Der Ekelhafte“ ist ein Zeichen der Wut, auch wenn die Stimmen der Ohnmacht laut sind. „Der Ekelhafte“ ist mehr als hörenswert.

komplett lesen hier: Lirabelle
anhören hier: Antilopen