Der Infoladen Sabotnik und die Softcore-Verharmlosung von antisemitischen Bewegungen

Unter den Bericht zur vergangenen Montagsdemonstration von Max Unkraut, den ich hier auch verlinkt habe, setzten die Verantwortlichen des Infoladen Sabotnik einen beispielhaften Kommentar für die Softcore-Verharmlosung des Antisemitismus:

So lange die De­mons­tran­t_in­nen nicht Ador­no lesen, bringt es also nichts, zu in­ter­ve­nie­ren. Das könn­te man na­tür­lich auch um­ge­kehrt sehen: So lange die ra­di­ka­le Linke es weder schafft, spon­ta­ne Be­we­gun­gen in ihrer Wi­der­sprüch­lich­keit zu ver­ste­hen noch eine über­zeu­gen­de Kri­tik zu ver­mit­teln, kann sie gar nicht in­ter­ve­nie­ren. Aber wie auch immer: An­ge­sichts der an­ge­spro­che­nen ge­fähr­li­chen Ten­den­zen ist es wohl nötig, wei­ter­hin ein Auge auf die ‚Mon­tags­de­mons­tra­tio­nen‘ wer­fen.

Während der Bericht also empirisch aufzeigt, dass es hier nichts zu intervenieren, sondern zu verhindern gibt, weil man mit Antisemiten nicht diskutieren kann, will man beim Infoladen Sabotnik nicht so recht von einer in Aussicht gestellten Massenbewegung Abstand nehmen. Von der „Widersprüchlichkeit“ der Bewegung ist da die Rede. Freilich nicht im Sinne widersprüchlicher Positionen, Freiheit und Frieden zu fordern und gleich nach dem Schuldigen der herrschenden Misere zu fahnden. Widersprüchlichkeit ist hier eine Floskel für das Verständnis der Bewegungslinken für „spontane Bewegungen“ (was hier spontan ist, soll mir mal wer erklären, Kopp und Compact arbeiten seit Jahren an solchen Mobilisierungen), die man nicht gleich mit dem Vorwurf des Antisemitismus konfrontieren soll, weil man perspektivisch doch irgendwann noch mitmachen will. Mit anderen Worten: eine infame Verharmlosung des antisemitischen Potentials, das da Montags aufmarschiert.

Das berühmte Gerede gegen die sogenannte „reine Lehre“ (hier in Gestalt der dümmlichen Polemik gegen das Adorno-Lesen), die man Adorno und der Kritischen Theorie unterstellt, um sie als ein Projekt der Elite zu diffamieren, war wohl nie etwas anderes als ein in verhaltene Wut gekleidetes Ressentiment gegen ein Denken, das sich am weitesten nach vorn wagt, weil es ausspricht, was v.a. für Bewegungslinke nicht sein darf; dass nämlich alle gut gemeinte Praxis nichts ist gegen die Übermacht der Verhältnisse, die solche Praxis unbegriffen und deswegen (im günstigsten Fall) unberührt zurück lässt. Die Diffamierung zielt auf ein Denken, das die Ohnmacht nicht einfach wegwischt, um sich Schuldige zu suchen, sondern solches Verhalten in die Kritik nimmt.