„Die Empathie ist ein Stiefkind aus Deutschland“

Schmalkalden: Im Ortsteil Walperloh kocht der Mob nach dem Zuzug von Flüchtlingen

Eine Bürgerversammlung im Ortsteil Walpersloh berief Bürgermeister Kaminski am 23. April ein, um die Wogen zu glätten. Das misslang. Auch in Südthüringen formiert sich abseits der üblichen Nazicliquen ein Mob aus Anwohner_innen, um gegen Flüchtlinge vorzugehen. Befeuert wird die Hetze vom rassistischen Jargon des Journalisten vom „Freien Wort“ und den Beschwichtigungsversuchen der Verantwortlichen.

Von „Asylanten“ schreibt der Journalist Eric Hande im Auftrag von „Freies Wort“ – freilich ganz objektiv und neutral, wie sich das für einen Wurstblatt-Journalisten gehört –, wenn er die 65 in Schmalkalden-Walperloh untergekommenen Flüchtlinge meint. Er bedient sich damit eines Begriffes, den abzulehnen man keine Linksradikale sein muss und stimmt so in den rassistischen Tenor der Bürgerversammlung ein. Diese „Asylanten“ bereiten den Eingeborenen „offensichtlich“ Probleme, wie schon aus der Überschrift des Artikels („Im Walperloh brodelt es in der Bürgerschaft wegen Asylbewerbern“) zu entnehmen ist. Nicht etwa der Rassismus der Anwohner_innen ist der Grund für den Aufruhr, sondern die Asylbewerber_innen. Jene Probleme scheinen konkret darin zu bestehen, dass die Wohnungen der Asylbewerber_innen nicht so heruntergekommen sind, wie die der Deutschen und dass den Deutschen bisher keiner mitgeteilt hat, dass die Fressfeinde bald wieder abgeschoben werden sollen.

Der Bürgermeister versuchte zu beschwichtigen, indem er beteuerte, dass die Geflohenen hier unterhalb der Armutsgrenze gehalten werden. Er berichtete außerdem über die Schicksale der Menschen und bittet um Verständnis. Ziemlich naiv. Können doch die gemeinen Deutschen nichts besser wegstecken, als Berichte über das Leid von anderen. Die Empathie ist ein Stiefkind aus Deutschland. Strategisch klüger stellt sich die Fachbedienstete des Landratsamtes, Susanne Reum an. Sie berichtet, dass die Asylbewerber bald eh wieder abgeschoben werden und die, die bleiben dürfen, suchen sich erfahrungsgemäß schnell einen anderen Wohnort. Dafür wird die Gastfreundschaft aus Walperloh schon sorgen.

Quelle: Antifa Suhl/Zella-Mehlis

Einen Bericht von antifaschistischen Beobachtern dieser Zusammenkunft gibt’s bei indymedia linksunten.