Archiv für Juni 2014

Erfurter Montagswahnmache am Pfingstmontag ausgefallen

Die Organisatoren der neuen Montagsdemo in Erfurt sind der Meinung, dass sie ihre Kundgebung am Pfingstmontag „aufgrund staatlicher Repressalien“ absagen mussten. Nun schäumen sie vor Wut. Auf Facebook schreiben sie:

Dieser Staat demaskiert sich mit dieser intriganten „Arbeitsweise“ von selbst. Das ist pervers! Das ist abartig! Das ist „Nordkorea“ mitten in Deutschland!

Was war passiert? Hatte man den Aufmarsch der Verschwörungsideologen verboten oder ins Rieth beauflagt? Zeigen die Chemtrail-Angriffe endlich Wirkung? Viel schlimmer! Das Ordnungsamt hatte glatt vergessen einen Auflagenbescheid zuzustellen und war aufgrund von Feiertagsfreuden telefonisch nicht mehr zu sprechen. Was für einen gewöhnlichen Anmelder der beste aller anzutreffenden Fälle ist, weil die Versammlungsfreiheit durch keine Auflagen beschnitten wird, ließ die Organisatoren Nordkorea in Deutschland wittern. Als wäre es in Nordkorea überhaupt nötig Auflagenbescheide zu erstellen. Die einzigen, die dort Aufmärsche organisieren, sind die Herrschenden. Rechtlich ist das in Deutschland so, dass Versammlungen in der Regel zwar angemeldet werden müssen, aber nicht genehmigt. Sie sind bis zum Verbot genehmigt und können durch Auflagen eingeschränkt werden. An der Wahrnehmung der Versammlungsfreiheit hinderte die Wahnwichtel also nicht das Ordnungsamt, auch nicht Nordkorea oder die Antifa, sondern nur die eigene autoritätshörige Verstocktheit, ein Spießbürgertum, das mit zu viel Freiheit nicht zurecht kommt und die Forderung nach der harten, ordnenden Hand gleich vorweg nimmt.

Unterm Strich scheint sich derzeit nichtmal mehr das Ordnungsamt für die immer gleichen Wichtigtuer zu interessieren. Vielleicht schläft der ganze Zirkus über die Fußballweltmeisterschaft endlich ein. Spannend wird dann, wie es die Wahnwichtel anstellen werden, ihre Niederlage als ruhmvollen, verlustreichen Kampf mit übermenschlichen Mächten oder gleich als Sieg zu verkaufen. Wetten werden entgegen genommen.

Aus der Kommentarspalte der Wahnwichtel

MLPD-Musikfestival im rotbraunen Sumpf

Im Südthüringischen Truckenthal beginnt heute das pfingstliche Musikfestival des MLPD-Jugendverbandes Rebell. Da weder der Rebell noch die MLPD in Thüringen nennenswerte Strukturen hat, von ein paar Altkadern in Sonneberg und Eisenach und der Immobilie im Thüringer Wald abgesehen, wird dieses Festival von Funktionären aus dem gesamten Bundesgebiet organisiert. Als Musikact hatten sich die Stalinisten ursprünglich die antisemitische Band „Die Bandbreite“ eingeladen, die mit Verschwörungstheorien (z.B. die USA hätten 9/11 „selbst gemacht“ und AIDS in die Welt gesetzt) im rotbraunen Milieu punktet, seit längerem auch nationalistische Töne spuckt und immer wieder den alten antisemitischen Kalauer aufbereitet, dass eine weitgehend im Verborgenen waltende, amerikanisch-zionistische Weltregierung die Menschheit ins Verderben stürzt. Solche Haltungen brachten den „Künstlern“ den folgerichtigen Beifall der NPD ein, die die Band aufforderte den Weg von „Makss Damage“ zu beschreiten und das Lager zu wechseln. Konsequent wär‘ das.
Die Organisatoren des Festivals strichen nach Kritik von Antifaschisten und auf Wunsch der Band den Act „Die Bandbreite“ schließlich aus dem Line-up. Allerdings nicht weil die Band antisemitische Ideologie verbreitet. Im Gegenteil. Vor solchen „ungerechtfertigte[n] Angriffe[n] aus dem antideutschen Spektrum“ nehmen die Organisatoren die Band sogar ausdrücklich in Schutz, hieß es in der Erklärung des Rebell. Scheinbar ist die Kritik des Antisemitismus inzwischen ein Privileg des antideutschen Spektrums. Der Grund, warum die Stalinisten vom MLPD-Festival ihre Kamernossen von der „Bandbreite“ zur Stellungnahme aufforderten, war deren Beteiligung an der aktuell grassierenden Montagsquerfront. Ich hatte mehrfach über das Phänomen berichtet (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9). Der Frontmann der Band Marcel Wojnarowicz sprach nämlich auf der Berliner Montagsdemo und ließ sich von den Verschwörungswahnsinnigen dort gebührend feiern. Überraschenderweise schien die MLPD nicht an einer Neuauflage eines Hitler-Stalin-Paktes in Form einer Querfrontbewegung interessiert. Kurz gesagt: Die Bandbreite wollte sich nicht distanzieren und ließ sich, um keinen Ärger zu machen, vom Line-up streichen. Das war jetzt zwar kein Grund zu diesem Festival zu fahren, aber doch bemerkenswert. Die Stalinisten, die mit antisemitischen Weltverschwörungstheorien, mit Deutschlandgehype und anderen Zumutungen keine Probleme haben, lehnen die Querfront ab, in der solche Ansichten zu Hause sind.
Dass man es aber am Ende doch nicht so ernst nahm mit der Distanzierung von der Montagsquerfront zeigt die kürzlich bekannt gewordene Erweiterung des Line-ups um „Prinz Chaos II.“, einen eifrigen Befürworter der rot-braunen Querfront, der ebenfalls bereits in Berlin sprach. Der Schlossbesitzer aus dem Südthüringischen Weitersroda war früher bei Linksruck und gab jüngst erst in einem Interview mit Wahnmachen-Guru Ken Jebsen seine Sympathie für die Braunzonenaufmärsche zum besten. Warum dann „Die Bandbreite“ letztlich aus dem Line-up gestrichen wurde? Wer weiß das schon. Vielleicht der Thüringer ver.di-Jugendsekretär Daniel Herold. Der lässt nämlich im Namen der ver.di-Jugend verlauten:

Das rebellische Pfingstfestival ist eine tolle Sache, die eine Chance auf Austausch, Anerkennung und Spaß ermöglicht. Gerade im ländlichen Raum gibt es zu wenig alternative Freizeitangebote. Wir, die ver.di Jugend, unterstützen das Festival, weil für uns als Gewerkschaftsjugend linke Kultur wichtig ist, ob in der täglichen Arbeits- und Ausbildungswelt oder aber eben in der Freizeit.

Die Thüringer Gewerkschaftsjugend findet linke Jugendkultur antisemitischer Stalinisten also toll. Bleibt zu hoffen, dass dieser Braunzonenschimmel sich nicht dauerhaft im Thüringer Wald niederlässt und man es neben dem üblichen Nazipack auch noch mit linken Antisemiten zu tun bekommt.

Alter Flyer mit den Montagsquerfrontlern und Antisemiten von „Die Bandbreite“

Neuer Flyer ohne „Die Bandbreite“, die man wegen ihrer Querfrontpolitik gestrichen hat, aber mit dem Querfrontler „Prinz Chaos II.“

Undurchdachte Werbestrategien III

Manche Leute beweisen besonderes Geschick um sich fürs Wahlkampfmaterial in Szene zu setzen.

Verspäteter Wahlaufruf: Mit Jutta Ewald den transsilvanischen Tourismus stärken!

Der Montag nach Elsässer

Wachsen und perspektivisch auf den Domplatz umziehen – das war das Ziel der neuen Montagsdemo nach dem Putsch und Rechtsruck in Erfurt. Von Wachstum war gestern allerdings keine Spur. Zwischen 30 und 60 Teilnehmer hielten sich zwischen 18 Uhr und 19.30 Uhr vor dem Lutherdenkmal am Anger auf und lauschten den Redebeiträgen sowie der Musik eines Straßenmusikers, der sich wohl zur Teilnahme überreden ließ. Nachdem bei der vorherigen Montagswahnmache Jürgen Elsässer auftrat und die Teilnehmerzahl durch die kritische bzw. störende Teilnahme von Antifas verdoppelt wurde, scheint die Beteiligung bei der Erfurter Wahnmache wieder zurückzugehen. Ein großer Teil der Teilnehmer kommt auch nicht aus Erfurt, sondern reist aus umliegenden Städten an.
Den Rückgang der Teilnehmerzahlen bemerkten auch die Organisatoren, die beschworen, sich davon nicht entmutigen zu lassen. Immer wieder kam das Gespräch auf die Antifa-Aktion vom vergangenen Montag. Wobei es weniger um die inhaltliche Auseinandersetzung ging als um die kaum zu verbergende Enttäuschung darüber, dass man heute nichtmal mehr von der Antifa ernst genommen wird. Große Angst haben die Organisatoren auch vor der Fußballweltmeisterschaft; genauer: vor der Möglichkeit, dass die Wahnmachen im Deutschlandtaumel besoffener Fanidioten untergehen. Es wäre die erste gute Tat des Deutschlandmobs.
Inhaltlich konnte man auf der Montagsdemo von den mal mehr mal weniger geistig umnachteten Rednern das selbe Gewäsch hören wie noch vor einigen Wochen und vor der Übernahme durch die Putschisten. Es gab das obligatorische durch youtube-Videos angefixte und von wirklicher Kritik zu unterscheidende Gejammer über die Großbanken, die Politbonzen, das Zins-System, etc. Alles in allem sind es üble Mächte, die den im Wesen grundguten Deutschen ordentlich zusetzen. Der Erfurter Leithammel Konstantin, der immer wieder wie ein aufgeblasener Gockel durch die Mahnwache stolzierte und bei vergangenen Veranstaltungen mit seinen Bekanntschaften bei „der Antifa“ prahlte, die ihn gegen Kritik immunisieren, erzählte was von Demokratie und Konsumverzicht. Das 15-20 minütige, durch Un-, Binsen- und Halbwahrheiten angereicherte, Gelaber lässt sich wie folgt zusammenfassen: Die Volksherrschaft ist eine in der das Volk gar nicht herrscht, sondern beherrscht wird und wer sich kein iPhone kauft und nichts bei McDonalds isst, der ist schonmal auf der sicheren Seite. Einfach nachmachen und die Welt wird eine bessere. Konstantin hat das Konzept der Wahnmachen verstanden: Simple Vorstellungen über die vermeintlichen und wirklichen Probleme in der Welt selbstbewusst vortragen, immer wieder Suggestivfragen ins Publikum werfen, sich bestätigen lassen und Anmerkungen darüber streuen, wer an der Misere Schuld hat. Jedoch nie mehr verraten als nötig, das Klientel weiß ja bescheid.
Dazu gab es die üblichen Hinweise, sich doch mal im Internet schlau zu machen, was aber nicht heißen soll, dass man den Blödsinn nicht auch zwischen zwei Buchdeckel pressen könnte. Außerdem wurde zur Nachbarschaftshilfe und zum Aufbau von Tauschbörsen aufgerufen. Alles in allem wabert die Montagsdemo zwischen grünbrauner Gutmenschelei und antisemitischer Raserei, wobei das freilich nie einen Widerspruch darstellte, aber das eine mehr Gewaltpotential in sich birgt als das andere.
Gegen 19.30 Uhr bin ich dann gegangen, während so ein Typ gerade erklärte, welche Lebensmittel die da oben so alles vergiften. Die Geschichten und Motive wiederholten sich und irgendwie wirkte dieser Zirkus gestern wie eine im Freien tagende Selbsthilfegruppe von Leuten, die an dieser Gesellschaft irre geworden sind.


Die Wahnmache gegen 18.15 Uhr, ein paar mehr wurden es später doch noch.

Karriere bei der Bundeswehr: Versteckspiel im Thüringer Wald

Oberhof: Bundeswehrsoldaten im Wald unterwegs

Rund 50 Soldaten der Friedenstein-Kaserne aus Gotha sind für ein Manöver auch im Wald rund um Oberhof unterwegs. Ein Presseoffizier sagte MDR THÜRINGEN, die Wanderer müssten aber keine Angst haben. Sinn der Übung sei, nicht entdeckt zu werden. Die Soldaten werden in der Wildnis ausgesetzt und müssen sich im Gelände orientieren und sich zu festgelegten Punkten durchschlagen. Das würden sie hauptsächlich nachts tun und dabei bewohntes Gebiet meiden, so der Sprecher. Die Soldaten des Aufklärungsbataillons starten am frühen Abend mit der Übung im Landkreis Greiz und rücken im Laufe der Woche über Oberhof bis nach Gotha vor.

Quelle: MDR

Ist ja gruselig. Da spielen 50 von den Pfosten Verstecken im Thüringer Wald, erschrecken die Tiere und zertrampeln die Pflanzen. Bleibt zu hoffen, dass die Wildschweine hungrig sind!