Der Montag nach Elsässer

Wachsen und perspektivisch auf den Domplatz umziehen – das war das Ziel der neuen Montagsdemo nach dem Putsch und Rechtsruck in Erfurt. Von Wachstum war gestern allerdings keine Spur. Zwischen 30 und 60 Teilnehmer hielten sich zwischen 18 Uhr und 19.30 Uhr vor dem Lutherdenkmal am Anger auf und lauschten den Redebeiträgen sowie der Musik eines Straßenmusikers, der sich wohl zur Teilnahme überreden ließ. Nachdem bei der vorherigen Montagswahnmache Jürgen Elsässer auftrat und die Teilnehmerzahl durch die kritische bzw. störende Teilnahme von Antifas verdoppelt wurde, scheint die Beteiligung bei der Erfurter Wahnmache wieder zurückzugehen. Ein großer Teil der Teilnehmer kommt auch nicht aus Erfurt, sondern reist aus umliegenden Städten an.
Den Rückgang der Teilnehmerzahlen bemerkten auch die Organisatoren, die beschworen, sich davon nicht entmutigen zu lassen. Immer wieder kam das Gespräch auf die Antifa-Aktion vom vergangenen Montag. Wobei es weniger um die inhaltliche Auseinandersetzung ging als um die kaum zu verbergende Enttäuschung darüber, dass man heute nichtmal mehr von der Antifa ernst genommen wird. Große Angst haben die Organisatoren auch vor der Fußballweltmeisterschaft; genauer: vor der Möglichkeit, dass die Wahnmachen im Deutschlandtaumel besoffener Fanidioten untergehen. Es wäre die erste gute Tat des Deutschlandmobs.
Inhaltlich konnte man auf der Montagsdemo von den mal mehr mal weniger geistig umnachteten Rednern das selbe Gewäsch hören wie noch vor einigen Wochen und vor der Übernahme durch die Putschisten. Es gab das obligatorische durch youtube-Videos angefixte und von wirklicher Kritik zu unterscheidende Gejammer über die Großbanken, die Politbonzen, das Zins-System, etc. Alles in allem sind es üble Mächte, die den im Wesen grundguten Deutschen ordentlich zusetzen. Der Erfurter Leithammel Konstantin, der immer wieder wie ein aufgeblasener Gockel durch die Mahnwache stolzierte und bei vergangenen Veranstaltungen mit seinen Bekanntschaften bei „der Antifa“ prahlte, die ihn gegen Kritik immunisieren, erzählte was von Demokratie und Konsumverzicht. Das 15-20 minütige, durch Un-, Binsen- und Halbwahrheiten angereicherte, Gelaber lässt sich wie folgt zusammenfassen: Die Volksherrschaft ist eine in der das Volk gar nicht herrscht, sondern beherrscht wird und wer sich kein iPhone kauft und nichts bei McDonalds isst, der ist schonmal auf der sicheren Seite. Einfach nachmachen und die Welt wird eine bessere. Konstantin hat das Konzept der Wahnmachen verstanden: Simple Vorstellungen über die vermeintlichen und wirklichen Probleme in der Welt selbstbewusst vortragen, immer wieder Suggestivfragen ins Publikum werfen, sich bestätigen lassen und Anmerkungen darüber streuen, wer an der Misere Schuld hat. Jedoch nie mehr verraten als nötig, das Klientel weiß ja bescheid.
Dazu gab es die üblichen Hinweise, sich doch mal im Internet schlau zu machen, was aber nicht heißen soll, dass man den Blödsinn nicht auch zwischen zwei Buchdeckel pressen könnte. Außerdem wurde zur Nachbarschaftshilfe und zum Aufbau von Tauschbörsen aufgerufen. Alles in allem wabert die Montagsdemo zwischen grünbrauner Gutmenschelei und antisemitischer Raserei, wobei das freilich nie einen Widerspruch darstellte, aber das eine mehr Gewaltpotential in sich birgt als das andere.
Gegen 19.30 Uhr bin ich dann gegangen, während so ein Typ gerade erklärte, welche Lebensmittel die da oben so alles vergiften. Die Geschichten und Motive wiederholten sich und irgendwie wirkte dieser Zirkus gestern wie eine im Freien tagende Selbsthilfegruppe von Leuten, die an dieser Gesellschaft irre geworden sind.


Die Wahnmache gegen 18.15 Uhr, ein paar mehr wurden es später doch noch.


1 Antwort auf „Der Montag nach Elsässer“


  1. 1 MLPD-Musikfestival im rotbraunen Sumpf « OXYMORON Pingback am 06. Juni 2014 um 12:37 Uhr
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