Archiv für Februar 2015

Und ewig grüßt das Murmeltier

Der Infoladen Sabotnik hat die üblichen, zu Sedativa verarbeiteten, Krisenaufrufe zum gefühlt tausendsten Mal aufgewärmt und ein gelangweiltes Pamphlet rausgehauen, das gegen Naziaufmarsch und EZB-Eröffnung aufruft. Die Argumentation funktioniert so: Die aktuellen Nazibewegungen sind Produkt der Krise und wie die Troika eine autoritäre Antwort auf diese. Der Infoladen Sabotnik verwehrt sich einfachen Antworten, wie „Die Juden sind schuld“ oder „Die Ausländer sind schuld“ oder „Die Griechen sind schuld“. Schuld ist nämlich der Kapitalismus. Da man über den nicht viel weiß, stürmt man gegen seine Protagonisten. Das klingt dann so:

Die EZB mit Sitz in Frankfurt am Main steht wie keine andere Institution für diese Politik. Als Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft ist sie zum einen direkt verantwortlich für Entscheidungen, die für tausende Hunger und Elend bedeuten. Zum anderen steht sie symbolisch für den Status quo, für die Erhaltung und Festigung kapitalistischer Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnisse.

Wer sich gegen einfache Antworten wehrt und wem dabei nichts besseres einfällt als die „Verantwortlichen des aktuellen Angriffs auf Arbeits- und Lebensbedingungen“ bei der Europäischen Zentralbank zu suchen und zum x-ten mal in der Finanzmetropole zu demonstrieren, der muss sich fragen lassen, was seine Argumentation strukturell noch von der der Stößels, Endgamer und Konsorten unterscheidet, außer dass diese Leute dem Wahnsinn schon einen Schrittchen näher sind.

Vergessen (oder nie begriffen) sind alte Einsichten über Verdinglichung, automatisches Subjekt, Verinnerlichung, Charaktermaske, verstellte Praxis. Hauptsache ein bisschen Nestwärme beim Spektakel der Bewegungslinken. Verblödende Symbolpolitik statt wirklicher Teilnahme an sozialen Kämpfen. Langweilig und gegen jeden Versuch der Aufklärung resistent, weil die Leute auch nach dem hundertsten Anlauf nicht bemerken, dass ihr Racket so nicht an Größe oder Einfluss gewinnt, sondern Klienten für die Rote Hilfe produziert.

In Kürze hat Victor Hugenay alles Nötige zur Selbstbespaßung der Bewegungslinken vor knapp zwei Jahren in der Jungle World auf den Punkt gebracht.

Vor nicht allzu langer Zeit gab es mal eine Theorie-Praxis-Debatte in Thüringen, die, meines Wissens nach, nicht an den Protagonisten des Infoladen Sabotnik vorbeigegangen ist. Offensichtlich vorbei gegangen, ist aber die Möglichkeit aus dieser Debatte etwas zu lernen.

Antifa-Positionspapier gegen SÜGIDA und andere Freunde völkischer Glaubensgemeinschaften

Antifaschistische Positionen in bekömmlichen Portionen gibt es jetzt im Positionspapier des autonomen Antifa-Bündnisses gegen SÜGIDA. Weil die Empörung über die von Nazis genutzte „Wir sind das Volk“-Parole bei bürgerlichen Nazigegner so groß war wie sie unbegründet und abstoßend zugleich war, ist das mein Lieblingspunkt:

7. Die, die das Volk und die Parole „Wir sind das Volk“ gegen Nazis verteidigen wollen, machen damit einen Knicks vor der Lobby der DDR-Regimegegner, die auch immer gerne das Volk waren, und ihrer falschen Auffassung, eine Freiheitsbewegung habe die DDR gestürzt. In Wahrheit, und das weiß selbst der Kohlkopf, der alles verantwortlich eingerührt hat, ist die DDR an Misswirtschaft und der Niederlage im kapitalistischen Wettbewerb gescheitert. Wir rechtfertigen keinesfalls die Politik des DDR-Regimes, weisen aber die gewollte Dummheit zurück, mit der sich Deutschland eine Revolution einredet, die um der Freiheit willen geschah. Die Ostdeutschen wollten Bananen, Westgeld und nach Mallorca. Mit dem Unrecht kamen sie klar. Sie bekamen, was sie verdienten: Hartz IV, Günther Jauch und die kapitalistische Marktwirtschaft. Wir fordern daher: Nie wieder Revolution für Deutschland!

Das ganze Positionspapier gibt es hier. Einen Bericht zum vergangenen Montagsaufmarsch hier.