Archiv der Kategorie 'Südthüringen'

Moralische Überlegenheit am Abgrund – Die Thüringer Zivilgesellschaft im Kampf für Heimat und Gewissen

Lirabelle #4In Ausgabe #4 der Erfurter Zeitschrift Lirabelle habe ich mit meinem Genossen Fabian über das aktuelle Vorgehen der Thüringer Zivilgesellschaft sowie deren inhaltliche Irrungen geschrieben. Außerdem befindet sich im Heft ein wundervoller Text von Simon Rubaschow zur Thüringer Theorie-Praxis-Debatte, der kurz mit der an Dreistigkeit kaum zu überbietenden Antwort von L&M aus Ausgabe #3 abrechnet und die Theorie-Praxis-Debatte in einer Reflexion zum Verhältnis von Wut, Angst und Traurigkeit zu einem würdigen (vorläufigen) Ende führt – vorbehaltlich L&M bringen nicht die nächste Bleiwüste in Anschlag, in der sie Argumente des Diskussionspartners ausschweifend als die eigenen ausgeben und ihre eigene Praxisabstinenz damit kompensieren, sich jedem besseren Mob an den Hals zu werfen. Außerdem sehr lesenswert, finde ich die Thesen von Charlie Pepper zum Begriff des Stützpunkts in Abgrenzung zu linken „Freiraum“-Konzepten und den Bericht von Franzie zum Arbeitskampf bei VioMe in Griechenland.

Moralische Überlegenheit am Abgrund – Die Thüringer Zivilgesellschaft im Kampf für Heimat und Gewissen

Die Antifa ist so überflüssig und deswegen so gefragt wie nie. Die Zivilgesellschaft, allen voran die Thüringer Bürgerbündnisse gegen Rechts, die sich vorwiegend aus den sozialdemokratischen Parteien und Organisationen rekrutierten, und der Filz aus dessen Umfeld, haben das Hauptkampffeld der Antifa übernommen. Selbst in Käffern wie Kirchheim und Ballstädt, die die örtlichen Gutmenschen[1] längst in Wehrdörfer verwandelt haben, braucht es die Antifa nicht mehr um Protest gegen Nazis zu organisieren. Die Schlussfolgerung, die Bürger hätten endlich verstanden und machen jetzt selber, ist naiv. Die Proteste gegen Naziaufmärsche und -zentren sind unter der Regie der Parteikader zu Werbeveranstaltungen für die Gesellschaft verkommen, die die Nazis hervorbringt. Antifaschistische Kritik ist nur noch im Widerspruch gegen diese Farce zu haben. Von Fabian & Ox Y. Moron. (mehr…)

Bessere Tage des antifaschistischen Widerstands: Ilmenau 1992

Quelle: Snowflake / Besten Dank fürs Ausgraben, Genosse!

Weltrevolution in Kirchheim geplant!

Das gab’s noch nie. Die Thüringer Bürgerbündnisse gegen Rechtsextremismus rufen anlässlich des dort am Samstag stattfindenden Bundesparteitages der NPD zum Stelldichein für „ein solidarisches Europa – Gegen rassistische Hetze und rechtsextreme Nationalstaatsphantasien“. Von Rassismus haben die Bürger ja wie man weiß keine Ahnung, zudem nervt das Geblödel, man möchte doch die Krise nicht auf dem Rücken Südeuropas austragen – ein Geschehen das längst im Gange ist und nicht von der NPD, sondern den neben ihr in Kirchheim aufmarschierenden Parteien zu verantworten ist. Aufmerksamkeit darf dem letztgenannten Demonstrationsgrund gelten. Die Bürgerbündnisse – sonst nicht gerade als antinationale Umstürzler bekannt – wollen gegen „rechtsextreme Nationalstaatsphantasien“ vorgehen. Ein zunächst seltsam anmutendes Wortungetüm, dessen Sinn wohl im Protest gegen die besonderen Nationalstaatsphantasien der Rechtsextremen liegen soll. Weit gefehlt!
Die beiden Sprecher des Thüringer Gutmenschenbündnisses Harald Zeil und Madeleine Henfling stellen klar:

„Rassistischer und nationalstaatlicher Propaganda setzen wir die Vorstellung einer solidarischen Gesellschaft entgegen.“

Es geht also doch ums Ganze! Nicht die Vorstellung der Nazis von Nationalstaatlichkeit steht zur Debatte, sondern der Nationalstaat überhaupt. Wer lesen kann, weiß also was am Samstag ansteht in Kirchheim: Weltrevolution mit den Grünen und der SPD! Zu den Sitzkissen! Alle Macht kommt aus den Trillerpfeifen!


Transparententwurf für Samstag

In Suhl: „Wir haben weltweit den einzigen Mc Donalds, der wegen Kundenmangels schloss.“

Neuer Hit von hinterm Rennsteig! Mit einer guten Portion Selbstironie (hoffe ich jedenfalls) nicht halb so Fremdschäm-lastig, wie der Müll vom Klöße-Fritz.

Vom Hausbesetzer zum Standortschützer

Lirabelle #3In die besinnungslos-besinnliche Weihnachtszeit hinein kommt die dritte Ausgabe der Erfurter Zeitschrift Lirabelle. Auf das Titelbild hat es die Scheißhaufen-Aktion zur Verleihung des Preies für 10 Jahre Ignoranz und Akzeptanz von NS-Verharmlosung, Naziaufmärschen und Menschenhass am 6. November 2013 in Friedrichroda geschafft. Im Heft gibt es neben anderen lesenswerten und weniger lesenswerten Beiträgen auch wieder einen Beitrag von mir, der die gescheiterte Hausbesetzung am 19. Oktober 2013 und ihr beschämendes Nachspiel in Ilmenau zum Thema macht. Die nächste Ausgabe soll im März erscheinen.

Vom Hausbesetzer zum Standortschützer

In Ilmenau verfällt eine Initiative, die für eine gute Sache einzutreten schien, in Rekordtempo zu einer konformistischen Anbiederei an die Gesellschaft, die doch eigentlich in die Kritik genommen werden sollte. Was als Hausbesetzung und damit als Widerspruch gegen die kapitalistische Eigentumsordnung begann, entwickelt sich zum selbsternannten Lückenfüller der städtischen Kulturpolitik. Was ging da schief? Ein kommentierter Bericht von Ox Y. Moron. (mehr…)

Jusos in Ilmenau: Zum Konformismus noch zu blöd

Wenn sich irgendwie links wähnende Konformisten an Hochschulen ihre Karriereplanung als politisches Engagement ausweisen wollen, dann gründen sie eine Hochschulgruppe. Das ist dann so eine Art Selbsthilfe-AG für Leute mit Ambitionen auf Partei- und Staatsämter. Da sich nun die Hochschul-Inis in Ilmenau von Burschenschaft bis Sozialdemokraten nur graduell unterscheiden und es ihnen vornehmlich eh nicht um inhaltliche Auseinandersetzungen mit irgendwas sondern um das Fortkommen geht, muss man sich irgendeine Etikette geben, die zumindest sprachlich noch Unterscheidung erlaubt. Die neugegründeten Hochschul-Jusos aus Ilmenau nennen sich – wie anderswo auch – „links“. Links ist es heute, so liest man, billigen Wohnraum und Integration in die Ausbeutungsgesellschaft zu fordern. Freilich geht es auch um Jobs an der Uni und Sitze im Kommunalparlament.

Dass die Karrieristen in Ilmenau sogar für dieses langweilig-bornierte Prozedere zu dämlich sind, zeigt sich an ihren Versuchen, eine als Sedativum zugerichtete Pressemitteilung zu erstellen. Diese Mitteilungen bestehen, das gebietet das Regularium der Pressevorarbeiter, aus einigen Hauptsätzchen, die man der Lokalpresse schonmal vorformuliert und 2-3 O-Tönen. Diese Zitate sind dann meist so plakativ-nichtssagend, dass sie nichtmal die bornierten Beteiligten hätten äußern können („Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass der Campus in Ilmenau zunehmend entpolitisiert ist“ oder „Es braucht endlich eine kritische Hochschulgruppe links von den liberalen und konservativen Kreisen“). Und weil sie so beliebig wie nichtssagend sind, ist auch egal wer sie äußert. Deswegen ist es weniger ein Ausweis freiwilliger Gleichschaltung, wenn Martin Anders (Vorsteher der konformistischen Pseudo-Hausbesetzer) und Romy Arnold (Super-Nanny der Ilm-Kreis-SPD) in verschiedenen Veröffentlichungen wortgleich dasselbe sagen. Aber lustig ist dieses Stümpertum irgendwie schon.

Hört auf zu studieren, fangt an zu begreifen!


Einreihen zum Mitmachen: das Elend muss zwar nicht begriffen, aber es muss verwaltet werden

Wer hat uns verraten? Die „Lange 17″-Sozialdemokraten!

CypherAuf ihrem Blog veröffentlichten die Ex-Besetzer_innen von Ilmenau nun das Gesprächsprotokoll von den Verhandlungen mit der Stadt – ein Dokument der Selbstaufgabe. Reinhard Schramm, der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde bringt die Sachlage der Besetzung auf den Punkt. Die Initiative sitze im „falschen Boot“, habe die falschen Verbündeten. Diese Verbündeten sind – besser: waren – wir.

weiterlesen bei der Antifa Arnstadt-Ilmenau

Volkstrauertag in Eisfeld: Die Volksgemeinschaft marschiert ihren Nazis hinterher

In Deutschland ist bekanntlich nichts harmlos – offenes Feuer, Schweigemärsche und ignorant-borniertes Gutmenschentum erst recht nicht.

Dieses obsessiv betriebene Anliegen, die Spezifik des deutschen Verbrechens zu verwischen und vergessen zu machen, teilen alle Deutschen, die diesen Tag begehen und wenn in Eisfeld nach den Nazis der Bürgermob mit seinen pseudolinken Kollaborateuren schweigend durch die Stadt marschiert, dann ist dies ein beängstigendes Signal. Die Nazis marschieren hier, wie in der Eisfelder Choreographie unbewusst vorgesehen, an der äußersten Spitze der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Sie missbrauchen den Volkstrauertag nicht, wie die Bürger das, nach Abgrenzungsmomenten suchend, gerne hätten. Sie instrumentalisieren ihn nicht, sondern sie haben seine politische Dimension verstanden und radikalisiert.

[…]

Die Volksgemeinschaft gegen Nazis in Eisfeld zeichnete sich nun gerade dadurch aus, dass sie ihre Gemeinsamkeiten in der vagen Abgrenzung von sogenannten Extremisten sucht. Dass man diese nicht nur bei den Nazis vermutete, sondern auch bei der politischen Linken, hätte die örtlichen Linken zu Protesten treiben können. Die Linkspartei hatte das aber nicht im Sinn. Sie bettelte auch nur um Teilhabe an dieser Volksgemeinschaft, was sich etwa an der Teilnahme des dortigen Landtagsabgeordneten Kummer und vermutlich von so manchem Parteigänger zeigt. Statt eine Kritik an dieser elenden Extremismusdoktrin und an der Verharmlosung des Nationalsozialismus zum Volkstrauertag zu liefern, laufen die örtlichen „Linken“ einfach mit und beweisen immer nur wieder, dass dieses selbstgegebene Label nichts ist als eine Anmaßung.

Quelle: Antifa Suhl/Zella-Mehlis

Thüringer Klöße im Endlager

Kloß-Fritz ins Atommüll-Endlager!

Er verbreitet Angst und Schrecken, seine Anhänger sind lebende Tote und seine Musik ist ein Anschlag aufs Gehör. Der Kloß-Fritz aus Zella-Mehlis sorgte mit seinem Thüringer Klöße-Song für Furore unter Rentnern und Alt-Geborenen im Thüringer Wald. Das schunkelnde Deutschtum dieses Jungen brennt sich in den Kopf, ob man will oder nicht. Seine Musik ist wie ein chronischer Tinnitus, seine Performance wie ein schrecklicher Autounfall: man möchte nicht hinschauen, kann aber auch nicht weg sehen. Mit der Vermarktung des Rennsteig-Ayatollah gelang den Thüringern der furchtbarste Exportschlager seit Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe. Gerüchten zufolge soll die US-Armee schon Interesse geäußert haben. Fritz soll für die amerikanischen Streitkräfte in Guantanamo Geständnisse erpressen. Doch Fritz lehnte ab, er quält lieber seine Landsleute. Aber die Lösung ist nahe! Eine verdienstvolle Initiative, deren Internetauftritt zwischenzeitlich gehackt und als Studentenstreich abgetan wurde, fordert das Atommüll-Endlager nach Suhl zu holen. Dass sich so ein Endlager neben der Müllverbrennungsanlage in Zella-Mehlis prima machen würde, steht außer Frage. Auch die nach Arbeit lechzenden Südthüringer, die als Bedürfnis nach außen tragen, was ihnen als Zwang auferlegt wurde, werden an dem Lager Gefallen finden. Sie dürfen künftig den Müll in Schächte stopfen, den der Kapitalismus produziert, um die Leute mit dem neuesten Schund zu versorgen. Apropos Schund! Auch eine Verwendung für Kloß-Fritz und die mit ihm produzierten Tonträger, die nicht zu nachhaltigen Gehör- oder Bewusstseinsschäden in seinem Umfeld führt, würde dabei abfallen. Fritz kämpft künftig im Stollen gegen die Strahlung. Bei diesem Gesang wird es sich die Halbwertszeit gut überlegen, ob sie einige hundert Jahre dauern oder sich nicht früher aus dem Staub machen will! Also: Her mit dem Endlager und rein mit den Untoten!

aus: Alerta Suhl/Zella-Mehlis #2

Hausbesetzung in Ilmenau

Noch etwas aus der Kategorie „Aktionen zum Nachmachen“ bekam man am Samstag in Ilmenau geboten. Bemerkenswert war die Handhabe der Polizei, die acht Stunden lang nichts weiter tat, als „maximales Gelingen“ zu wünschen, um dann am Ende doch den Polizeistaat in Anschlag zu bringen und die Besetzer so lange zu bedrohen, bis jedem klar war, dass eine Nichtauflösung der Besetzung zu körperlicher Gewalt geführt hätte. Das ganze mit der Baufälligkeit und dem Schutz der Besetzer zu begründen ist eine Lüge, die nicht mal die Polizei so wirklich glauben konnte, obwohl doch die Deutschen, wie Adorno wusste, keine Lüge aussprechen können, ohne sie selbst zu glauben. In Erfurt geht man da offener und direkter zu Werke. Die kapitalistische Eigentumsordnung ist schließlich nicht verhandelbar. Ich weiß nicht recht, was besser ist. In Ilmenau hat es jedenfalls mehr Spaß und Hoffnung gemacht. Mal sehen, was die angekündigten Verhandlungen bringen.

Homepage des inzwischen geräumten Projekts: http://long17.blogsport.eu/

Verstörendes aus der Südthüringer Provinz

Ist doch ziemlich scheiße, dass gerade in Gegenden, in denen sich eh jeder nur um die eigene Sippschaft oder bestenfalls die Scholle aka Dorfgemeinschaft sorgt, in denen also die „Blutsurenge“ (Marx) erdrückend ist; dass also in solchen Gegenden die Leute mit einem restgesellschaftspolitischen Anspruch die Furchtbarsten sind. Vielleicht liegt die Tragödie auch einfach darin, dass es Opa noch gelang, sich fortzupflanzen, bevor ihm in Stalingrad ein winziges Stück Gerechtigkeit widerfuhr.

Pflichttermine

Antifa-Ratschlag 2013

Volkstrauertag abschaffen!

Die völkische Seele kocht

Die wohl widerlichste Absteige in ganz Südthüringen, das „Einsiedel“ in Zella-Mehlis, ist kürzlich anlässlich des Geburtstags der Betreiberin von der Antifa Suhl/Zella-Mehlis gebührend gewürdigt worden. Nun kocht der Volksmob dort, wo sich heute die völkische Seele am besten entladen kann, wenn grad keine Ausländer oder Zecken zu greifen sind, auf Facebook. Hier lässt man seinen Gewaltphantasien gegen die „linken Schwanzlutscher“ und „linken Schweine“ freien Lauf. Als hätte es noch der Bestätigung des Artikelinhaltes bedurft. Auf der nächsten Onkelz-Party oder dem nächsten Nazi-Metal-Konzert wird es dann einiges zu besprechen geben, wenn sich nicht endlich ein Blitzeinschlag, Leitungsbrand oder das Ausland erbarmt und diese Brutstätte der Dummheit und Bosheit abfackelt.

Diesen Weg auf den Höhen…

Höher kann man die Wahrheit in Thüringen (fast) gar nicht mehr anbringen.

Schmücke_1

Schmücke_2

Perspektiven für Thüringen

Arbeit und Müll gehören schließlich zusammen. Ich dachte ja eher an eine Umsiedlungsaktion und die vollständige Wiederbewaldung Thüringens, aber warum nicht einfach mit Müll zuschütten?


www.endlagersuhl.de